Stell dir vor, du suchst nach Informationen zu einem pädagogischen Thema – und erhältst eine klare, präzise Zusammenfassung. Keine Quellenangabe, keine Hinweise auf Unsicherheiten. Nur eine scheinbar perfekte Antwort. Was du nicht siehst: Diese Antwort stammt nicht von einem Menschen, sondern von einer KI. Und während du die Informationen für deine nächste Fortbildung nutzt, ahnst du nicht, dass die KI die Fakten falsch interpretiert, verdichtet oder sogar erfunden hat.
Für viele Menschen stellt sich noch immer die Frage, ob die Beschäftigung mit KI überhaupt Pflicht oder optional sein sollte. Doch dieses Beispiel zeigt: Wir haben längst – oft ohne es zu wissen – mit KI zu tun. Sie ist bereits heute in Suchmaschinen, auf Websites oder in Tools integriert, die wir täglich nutzen. KI wird immer mehr zum unsichtbaren Akteur in unserer Informationswelt. Und das wirft eine zentrale Frage auf: Wie können wir als Multiplikator*innen im Bildungsbereich sicherstellen, dass wir und unsere Zielgruppen diese Systeme durchschauen – und verantwortungsvoll damit umgehen?
KI vs. Suchmaschine: Wo liegt der Unterschied?
Suchmaschinen liefern uns seit Jahrzehnten existierende Inhalte – verlinkt, zitierbar, nachprüfbar. KI-Systeme generieren dagegen neue Inhalte, die oft als fertige Antworten präsentiert werden. Das beginnt bei Google AI Overviews, wo Suchergebnisse nicht mehr nur gelistet, sondern von einer KI zu einer scheinbar klaren Antwort verdichtet werden – ohne dass Nutzer*innen erkennen, dass sie es mit einer Interpretation zu tun haben, die Fakten auch falsch darstellen oder Kontexte verzerren kann. Es setzt sich fort bei Chatbots auf Websites, die Fragen beantworten, ohne offen zu legen, dass ihre Antworten auf Trainingsdaten basieren, die veraltet, unvollständig oder voreingenommen sein können. Und es geht weiter mit Plattformen wie Character.AI, wo sich KI-Bots als Fachpersonen ausgeben – etwa als Psychiater*innen oder Juristi*nnen – obwohl sie keine echte Expertise besitzen und so gefährliche Fehlinformationen verbreiten können. Während Suchmaschinen also existierende Inhalte finden und verlinken, erzeugt KI neue Inhalte – und das oft ohne Transparenz über ihre Grenzen und Fehlerquellen.
Wer haftet, wenn die KI falsch liegt?
Natürlich lassen sich Informationen dialogisch oft viel besser aufbereiten, wenn KI im Spiel ist. Doch was passiert, wenn diese scheinbar perfekten Antworten auf Halluzinationen oder Falschinformationen beruhen? Und vor allem: Wer haftet dann für die Folgen?
Drei Praxisbeispiele, die das Problem verdeutlichen:
1. Google AI Overviews und die falsche Darstellung von Fakten
Im Mai 2026 entschied das Landgericht München (Az. 26 O 869/26), dass Google für falsche Aussagen in seinen KI-generierten Zusammenfassungen direkt haftet. Im konkreten Fall wurden zwei Verlage fälschlich mit Betrug und Abofallen in Verbindung gebracht – obwohl diese Vorwürfe in den verlinkten Quellen nicht enthalten waren. Die KI hatte die Informationen selbstständig verdichtet und neu formuliert, ohne dass Nutzer*innen erkennen konnten, dass es sich um eine subjektive Interpretation handelte. Fazit: Google konnte sich nicht damit herausreden, dass „die KI autonom gehandelt“ habe – die Verantwortung lag beim Anbieter.
2. Der Chatbot auf der Website
Das Oberlandesgericht Hamm urteilte ebenfalls im Mai 2026 in einem Fall, bei dem ein Website-Chatbot einer Schönheitsklinik den beiden Geschäftsführern fälschlicherweise den Titel „Fachärzte für plastische und ästhetische Chirurgie“ zuschrieb – obwohl diese Titel nicht vorlagen. Das Gericht wertete dies als irreführende geschäftliche Handlung der Klinik selbst und stellte klar, dass der Chatbot kein externer Dritter ist. Die Haftung lag somit beim Betreiber der Website, der die KI als Teil seines Angebots integriert hatte.
3. Der KI-Psychiater
In den USA ging der Bundesstaat Pennsylvania 2026 gegen die Plattform Character.AI vor, nachdem ein KI-Bot sich als lizenzierte psychiatrische Fachperson ausgegeben hatte – inklusive einer erfundenen Lizenznummer. Hier ging es nicht nur um Falschinformationen, sondern um den Vorwurf der unbefugten Berufsausübung, da der Bot Nutzer*innen medizinische Ratschläge erteilte, ohne die notwendige Qualifikation zu besitzen.
Verantwortung und Sorgfaltspflicht beim KI-Einsatz
Die Beispiele machen eines klar: Wer KI einsetzt, übernimmt Verantwortung. Egal ob in Suchmaschinen, auf Websites oder in Bildungsangeboten. Das bedeutet, dass wir die Technologie verstehen, ihre Grenzen kennen und die rechtlichen sowie ethischen Konsequenzen bedenken müssen. KI-generierte Inhalte zu erkennen, zu kennzeichnen und kritisch zu bewerten, ist dabei nur der erste Schritt. Genauso wichtig ist es, transparent zu kommunizieren, wann und wie KI im Spiel ist. Denn KI-Systeme können nicht nur Falschinformationen verbreiten, sondern auch Diskriminierungspotenziale reproduzieren oder verstärken. Wer KI nutzt, trägt daher die Verantwortung, solche Risiken zu erkennen und sensibel zu prüfen – besonders im Bildungsbereich. Denn am Ende geht es nicht darum, KI zu verbieten, sondern sie verantwortungsvoll, reflektiert und diskriminierungssensibel einzusetzen.




